Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 21. April, 2016 — Die Suche nach NS-Raubgut in der HAAB

    Datei mit Bildern von Signaturen u. Provenienzspuren

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    Die Klassik Stiftung Weimar durchsucht bereits seit mehreren Jahren ihre Bestände nach Objekte, die während der Nazizeit Verfolgten unrechtmäßig weggenommen wurden und dann unter anderem auch in öffentliche Einrichtungen kamen.

    Die damalige Thüringische Landesbibliothek hatte in der Nazi-Zeit einen Zugang von rund 35.000 Büchern. Rund 10.000 Bücher gelten als verdächtig, NS-Raubgut zu sein, sagt die Bibliothekarin Annett Carius-Kiehne. Über 6.000 sind bereits überprüft.

    Für Annett Carius-Kiehne ist das nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit in der HAAB. Den Hauptpart bewältigt eine Bibliothekarin, deren Stelle unsere Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e. V. finanziert.

    Ohne diese Hilfe könnte die Herzogin Anna Amalia Bibliothek diese Arbeit gar nicht leisten, sagt Annett Carius-Kiehne.
    Zunächst muss ein Buch identifiziert werden. Anhand der alten Signaturen wird in Katalogen, Zettelkästen von einst und an den verschiedenen Standorten gesucht – im Magazin oder auch im Rokokosaal. Manchmal wurden Signaturen verändert, das Buch ist nicht auffindbar oder verbrannt. Manche Bücher können sich aber auch unter den Aschebüchern befinden, die nach dem Brand 2004 noch längst nicht alle durchgesehen werden konnten.

    Ist ein Buch entdeckt, suchen die Bibliothekarinnen Christine Störr und Annett Carius-Kiehne nach Provenienzspuren – z. B. nach Widmungen oder Ex Libris.

    Oftmals finden sich keinerlei Hinweise. Dann folgt der Vermerk: »Wir können verfolgungsbedingten Entzug nicht ausschließen.«

    Finden die Bibliothekarinnen Hinweise auf frühere Besitzer, dann übernehmt das Projektteam der Klassik Stiftung Weimar den Fall.
    Drei Historiker und zeitweise auch eine Juristin suchen nach möglichen Erben des Buches oder der Sammlung. Wie sie vorgehen und mit wem sie auch international zusammenarbeiten, das ist schon wieder eine andere Geschichte.

    Maria Socolowsky