Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 11. Juni, 2021 — Recepte für Caffee- und Theegebäcke aus Goethes Zeit - entdeckt und neu interpretiert von zwei 20-jährigen

    Elisa Gottschling (EG) und Lena Rust (LR) absolvieren derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB). Seit September 2020 haben sie dort u. a. die Möglichkeit, ein eigenständiges Projekt umzusetzen. Sie gestalten ein Buch mit Rezepten aus Goethes Zeit unter dem Titel: »Recepte für Caffee- und Theegebäcke aus Goethes Zeit – Eine kulinarische Neuinterpretation von Rezepten, aufgeschrieben zwischen 1750-1850 aus dem Bestand der HAAB.« Im Gespräch mit Maria Socolowsky (MS) stellen die beiden FSJ-lerinnen sich und ihr Projekt vor.

    EG Hallo ich bin Elisa und bin 20 Jahre alt. Ich wohne Am Ettersberg Weimar. Nach dem Fachabitur an der Walter-Gropius-Schule in Erfurt wollte ich die Kulturstadt Weimar näher kennen lernen. Ein FSJ-Kultur bei der Klassik Stiftung Weimar war für mich genau der richtige Weg, um neue Erfahrungen in dieser Richtung sammeln zu können. Nach meinem freiwilligen Jahr in der HAAB Weimar beginne ich im Herbst eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.

    LR Mein Name Lena, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Göttingen. Ich habe mich für dieses FSJ Kultur in der HAAB entschieden, weil ich die Arbeit in Bibliotheken faszinierend finde und ich auch nach meinem FSJ diese Richtung weiter verfolgen werde.

    MS Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek bietet reiche Möglichkeiten für Entdeckungen. Wie haben Sie Ihr Thema gefunden?

    LS Der Vorschlag kam von unserer Mentorin Frau Falk. Wir haben uns dafür entschieden, weil Backen eine Herausforderung für uns ist, da wir beide darin nicht besonders versiert sind. Die Bibliothek ist vor allem für ihren großen Bestand an wissenschaftlichen Arbeiten bekannt. Wir wollten die HAAB auf einem etwas anderen Weg kennenlernen, Rezepte aus Goethes Zeit verständlich für den heutigen Gebrauch beschreiben.

    MS Wie viele Bücher mit Rezepten haben Sie gefunden und ausgewertet, wie die Rezepte für Ihr Buch ausgewählt?

    LS Wir haben aus mehr als 20 Büchern Rezepte verwendet. Dabei haben wir danach geschaut, welche Rezepte häufiger vorkommen. Wenn wir sie in mehreren Kochbüchern gefunden haben, sind wir davon ausgegangen, dass sie bekannt und vielleicht auch beliebt waren. Oft haben wir diese dann genommen.
    EG Anfangs hatten wir eine große Liste von Rezepten, die wir alle durchgeschaut haben. Wir wollten gleich viele Plätzchen- und Kuchenrezepte auswählen. Schließlich haben wir zehn Kuchen- und elf Plätzchen-Rezepte für unser Buch ausgewählt. Etwa zwölf Rezepte haben wir nachgebacken. Die anderen haben sich schon beim Lesen erschlossen.

    MS In der Goethe-Zeit haben die Menschen anders geschrieben, andere Maße und zum Teil auch andere Begriffe verwendet. Was war für Sie beim Recherchieren und Ausprobieren der Rezepte besonders schwierig?

    LS Es war nicht immer verständlich, was die in bürgerlichen Haushalten beim Backen genau gemacht haben. Die Maße waren nicht genormt. Sie wurden regional unterschiedlich verwendet. Wir haben versucht, einen »gesunden Mittelwert« der verwendeten Maße wie z. B. Lot, Pfund oder Schoppen zu nehmen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Für unser Buch mussten wir auch die Mengen an die heutigen Verhältnisse anpassen. In den Haushalten früher wurde mit größeren Mengen für viel mehr Menschen und auf Vorrat gebacken als heute. Außerdem waren uns manche Begriffe unbekannt. Wir wussten z. B. beim besten Willen nicht, was Zibeben sind. Dabei handelt es sich um eine Form von Rosinen, bei der die Weinbeeren am Rebstock getrocknet werden. Heute bekommt man sie eher selten im Laden zu kaufen. Auch beim Backen einiger Rezepte brauchten wir mehrere Anläufe, weil wir Zutaten vergessen oder etwas falsch verstanden hatten. Wir haben die Rezepte ausprobiert, um sie verständlicher rüberzubringen.

    MS Welche Plätzchen, welche Kuchen haben Ihnen besonders gut geschmeckt?

    EG Mir die Schmalzkuchen. Die ähneln den Krapfen, die es heute z. B. auf Märkten gibt.
    LS Ich mag besonders die Mandelkollatschen. Die sind aus Zuckerteig mit Bittermandeln.

    MS Sie gestalten das Buch auch selbst. Wie wird es aussehen, und wann können Neugierige es sehen?

    EG In den meisten Kochbüchern finden sich Fotos zu den Rezepten. Wir haben uns dafür entschieden, die Gebäcke für unser Buch zu zeichnen. Bei manchen ging das nicht so gut. In diesem Fall haben wir dann passende Gedichte und Zitate z. B. von Goethe und Schiller rausgesucht, die wir anstelle von Zeichnungen verwendet haben. Das Buch entsteht im Querformat, damit es beim Backen nicht zuschlagen kann, sondern offen bleibt. Das Querformat haben uns die Buchbinder empfohlen.
    LS 10 Exemplare werden gedruckt. Die binden wir selber. Das lernen wir in der Buchbinderei der Klassik Stiftung. Ein Buch schenken wir unserer Mentorin. Wir beide bekommen Exemplare. Die anderen erhält die Bibliothek. Noch in diesem Sommer wird unser Buch zusammen mit alten Rezept-Büchern in einer Vitrine im Bücherkubus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ausgestellt. Voraussichtlich kann man unser Buch später auch ausleihen.

    Maria Socolowsky