Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 23. Juli, 2021 — Schätze der Gartenliteratur, vorgestellt in der Vulpius-Galerie im Stammhaus der HAAB

    Gartenbuch der Fürstin Czartoryska, 1808

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    Das Grüne Schloss, heute Stammhaus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, wurde im 16. Jahrhundert als Garten- und Wohnschloss errichtet und war stets von bedeutenden Gartenanlagen umgeben. Die Fenster der Ostfassade bieten heute einen fantastischen Ausblick auf den im 18. Jahrhundert gestalteten Park an der Ilm, einen der frühesten Landschaftsgärten im deutschen Raum. Maßgeblich an seiner Konzeption beteiligt war der Weimarer Großherzog Carl August. Er sorgte auch für einen gezielten Ausbau der Bibliotheksbestände zu Botanik, Naturgeschichte und Gartenkunst. Die reichen Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bilden trotz der Verluste durch den Brand 2004 das gesamte Spektrum der historischen Gartenliteratur ab. Vertreten sind Kräuterbücher der Renaissance, barocke Pflanzen-Kompendien, botanische Fach- und Bestimmungsbücher, Floren ferner Länder und Regionen, Kataloge botanischer Gärten, Werke zur Gartengestaltung und -architektur, zur Verwendung, Kultivierung und Pflege von Pflanzen,aufwändig gestaltete Blumenbücher, Pomologien, Gartenzeitschriften, Gartenpläne, Verkaufskataloge von Handelsgärtnereien u. a. m. Die bedeutendste Erwerbung in jüngerer Zeit war der Ankauf eines Teilbestands der Königlichen Gartenbibliothek Herrenhausen im Jahr 2007. Botanische Werke und Gartenbücher sind oft meisterhaft illustriert. Sie vermögen in besonderer Weise sinnlich zu berühren und gehören zu den attraktivsten Beständen von Bibliotheken.

    In der Vulpius-Galerie, dem kürzlich umgestalteten ehemaligen Sonderlesesaal im Mansard-Geschoss, sind bis bis zum 31. Oktober 2021 ausgewählte Schätze der Gartenliteratur in einer eigenen Veranstaltung zu erleben.
    Im bewährten Tandem führen MitarbeiterInnen der Kulturellen Bildung der Klassik Stiftung und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gemeinsam in das Sammelgebiet ein und stellen am großen Präsentationstisch eine von drei herausragenden Publikationen vor. In den Veranstaltungen werden abwechselnd gezeigt:
    Das kostbare Gartenbuch der polnischen Fürstin Izabela Czartoryska, Myśli Różne o Sposobie Zakładania Ogrodów, das barocke Pflanzenwerk Phytanthoza Iconographia des Regensburger Apothekers Johann Wilhelm Weinmann und die erste wissenschaftliche Flora der indischen Malabarküste, der Hortus Indicus Malabaricus von Hendrik van Reede tot Drakestein. Die Besucherinnen und Besucher erfahren neben Informationen zum Inhalt der Bücher interessante Details zu ihrer materiellen Beschaffenheit: Techniken des Drucks und der Buchillustration, der handwerklichen Fertigung und Gestaltung der Einbände sowie zu Provenienz-Merkmalen der Objekte, den sichtbaren Spuren ihrer Besitz- und Gebrauchsgeschichte. Begleitend zur Veranstaltung zeigt eine Präsentation in sechs den Vitrinen weitere Sammlungsstücke der Bibliothek. Darunter befinden sich der Hortus Belvedereanus, das Pflanzenverzeichnis des Botanischen Gartens in Belvedere, das botanische Meisterwerk Plantae Selectae von Christoph Jacob Trew, die Observations on the theory and practice of landscape gardening des berühmten englischen Landschaftsarchitekten Humphry Repton und die erste deutsche, 1794-98 in Weimar publizierte Gartenzeitschrift Der teutsche Obstgärtner von Johann Volkmar Sickler.

    Eine Vitrine stellt Bücher vor, die sich mit Umweltfaktoren beschäftigen. Sie behandeln die Thüringer Flutkatastrophe von 1613, den schon im 18. Jahrhundert massiven Befall der Fichtenwälder durch den Borkenkäfer und erste systematische Erhebungen von Klimadaten. Im frühen 19. Jahrhundert führten selbst die Bibliothekare der Weimarer Bibliothek meteorologische Messungen durch, worauf die rekonstruierte Windrose über dem Deckenauge des Rokokosaals heute noch hinweist. Zu sehen ist außerdem Christian Konrad Sprengels Grundlagenwerk der Blütenökologie, Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen von 1793, in dem erstmals die Fremdbestäubung von Pflanzen durch Insekten beschrieben wird.

    Die Veranstaltung »Schätze der Gartenliteratur« ist ein Angebot der Bibliothek im Themenjahr »Neue Natur« der Klassik Stiftung.

    Termine bis zum 30. Oktober 2021:

    Mittwoch 14 Uhr, Samstag 10 Uhr, Dauer 45 Minuten, max. 10 Teilnehmer.
    Karten sind an allen Kassen der Klassik Stiftung sowie online erhältlich: https://tickets.klassik-stiftung.de/#/product/event/5599
    Samstags findet im Anschluss an die Veranstaltung eine thematische Parkführung statt, die separat zu buchen ist.

    Katja Lorenz Referatsleiterin Sondersammlungen der HAAB