Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 30. Mai, 2018 — »Zu dem hohen Vermählungsfeste« – eine neu erworbene Huldigungschrift im Bestand der HAAB

    Abbildung 1: Seideneinband der Huldigungsschrift, Vorderdeckel. Herzogin Anna Amalia Bibliothek, 281047 - C. Foto: Klassik Stiftung Weimar

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    Die Sonne steigt; auf ihren goldnen Schwingen
    Erscheint der junge Tag im Strahlenglanz,
    Sein blüh’ndes Haupt umschlingt der Freude Kranz,
    Der Jubel tönt, des Festes Hymnen klingen!

    Mit diesen Versen beginnt eine gemeinsame Huldigungsschrift von sechs Gemeinden des Amtes Hardisleben, die Carl Friedrich und Maria Pawlowna anlässlich ihrer Hochzeit gewidmet ist und kürzlich von der Herzogin Anna Amalia Bibliothek auf einer Auktion erworben werden konnte. Die Druckschrift umfasst vier Blatt Papier in einem Seideneinband. Nach dem Titelblatt folgt ein fünfseitiges Gedicht, den Abschluss bildet eine Liste der sechs unterzeichnenden Gemeinden: Hardisleben, Mannstedt, Teutleben, Gros-Brembach, Olbersleben und Niederreisen.

    Die Herrlichen, die freudig sich erwählt,
    Sie werden heut im Jugendglanz vermählt.
    P A W L O W N A reicht voll Huld die Fürstenhand,
    Und F R I E D R I C H fühlt das seelenvolle Leben,
    das Ihm die Gunst der Einzigen gegeben;
    Und ewig ist das göttergleiche Band!

    (Auszug aus dem Huldigungsgedicht, Verse 15–20)

    Am 3. August 1804 hatten die russische Großfürstin und Zarenschwester und der Erbprinz von Sachsen-Weimar in St. Petersburg geheiratet. Nachdem am 1. Oktober bereits ihr Brautschatz Weimar erreicht hatte – etwa 80 beladene Pferdewagen –, traf das junge Ehepaar am Freitag, dem 9. November des Jahres in der Residenzstadt ein.

    Anlässlich der Hochzeit und des Einzugs Maria Pawlownas in Weimar wurden eine ganze Reihe Huldigungsschriften verfasst, die dem Paar oder einem Teil gewidmet waren und von denen die Herzogin Anna Amalia Bibliothek einige besitzt. Bekannte Beispiele sind ein am 12. November im Hoftheater aufgeführtes Werk des nur wenige Monate später verstorbenen Friedrich Schiller – »Die Huldigung der Künste« – und die »Harmonie-Music« des Hofkapellmeisters Franz Seraph Destouches (1772–1844).

    Obgleich die Huldigungsschrift dem frisch verheirateten Paar gewidmet ist, preist sie doch auch die aktuellen Herrscher – Zar Alexander I. und Herzog Carl August –, deren Häuser sich durch die Hochzeit ihrer Kinder nun ebenfalls miteinander verbanden:

    So hat sich nun der Grosse Fürst des Norden
    Mit dem B e s c h ü t z e r alles Edlen, Schönen
    Auf ew’ge Zeit im seltnen Bund vereint.
    […]
    Nun darf mit frohem Muth der Freye wagen,
    Zum mächt’gen Thron den sel’gen Dank zu tragen,
    Der feurig glüht in jeder treuen Brust,
    Wo ALEXANDER herrscht und CARL AUGUST.

    (Auszug aus dem Huldigungsgedicht, Verse 21–23, 27–30, vgl. auch Abbildung 3)

    Ihre eigene Herrschaft als großherzogliches Paar von Sachsen-Weimar-Eisenach traten Maria Pawlowna und Carl Friedrich erst am 12. August 1828 an, nachdem Carl August im Juni des Jahres verstorben war.

    Die neu erworbene Huldigungsschrift der HAAB ist bis zum 1. Juli 2018 im Schlossmuseum zu sehen. Ausgestellt wird sie im Verbund mit einer Neuerwerbung der Museen der Klassik Stiftung Weimar – einer Sauciere aus dem oben erwähnten Brautschatz Maria Pawlownas (siehe Abbildung 4).

    Björn Gebert