Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 13. Mai, 2021 — Land. Fluss. Kentmanus. HAAB präsentiert naturkundliche Buchhandschrift aus dem 16. Jahrhundert

    Codex Kentmanus in der HAAB 1

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    Zu den größten Schätzen der Handschriftensammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gehört der »Codex Kentmanus«. Benannt ist die Buchhandschrift mit naturkundlichen Manuskripten nach ihren Autoren: Johannes und Theophil Kentmann, die als Ärzte in Sachsen praktizierten. 1583 ließ Theophil Kentmann verschiedene Manuskripte seines Vaters sowie eigene Studien zu einem repräsentativen Band zusammenbinden. Der wurde 1810 für die Herzogliche Bibliothek in Weimar angekauft und später »Codex Kentmanus« genannt. Er enthält ca. 450 ganzseitige Darstellungen von Pflanzen und Tieren und zählt damit zu den umfangreichsten naturkundlichen Bildersammlungen, die sich aus dem 16. Jahrhundert erhalten haben. Die überlieferten Texte und Kommentare vermitteln einen spannenden Einblick in das Gelehrtennetzwerk der damaligen Zeit. Zum Themenjahr »Neue Natur« der Klassik Stiftung Weimar widmet die Bibliothek der bedeutenden Sammelhandschrift eine Präsentation im Studienzentrum – mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek. Die den Bücherkubus bandförmig umlaufenden Präsentationsflächen stellen ausgewählte Werke des Codex anhand hochwertiger Reproduktionen auf Acrylglas vor. Die Inhalte sind zugleich, unabhängig von den pandemiebedingten Einschränkungen eines Besuchs vor Ort, als digitale Ausstellung im Internet zu erleben. Die Originalhandschrift wird aus konservatorischen Gründen nur kurzzeitig an ausgewählten Terminen zu sehen sein.

    Zu den vorgestellten Werken des »Codex Kentmanus« gehört eine kommentierte Sammlung von ca. 200 Pflanzenzeichnungen, die Johannes Kentmann 1549 von einem Studienaufenthalt in Italien mitbrachte. Sie zeigen Arten, die nördlich der Alpen noch weitgehend unbekannt waren oder die erst im frühen 16. Jahrhundert aus Asien und Amerika eingeführt wurden. So überliefert Blatt 16 verso die Zeichnung einer Tulpe mit gelben Blütenblättern, die als älteste bekannte Tulpendarstellung gilt. Vorgestellt wird weiterhin ein Werk von Theophil Kentmann mit Darstellungen von mehr als 150 einheimischen Heilpflanzen im Naturselbstdruck. Die Darstellungen zählen zu den frühesten Beispielen für die Anwendung dieser Illustrationstechnik, bei der Pflanzenteile mit einer ölhaltigen Ruß- oder Kohlefarbe eingefärbt und auf dem Papier abgedruckt wurden. Die Artenvielfalt von Fischen in der Elbe um 1550 dokumentiert schließlich ein weiteres, mit ganzseitigen Aquarellen illustriertes Werk von Johannes Kentmann. Es handelt sich um die älteste bekannte Fauna eines deutschen Gewässers. Die Besonderheiten des »Codex Kentmanus« stehen für neue Betrachtungsweisen und Methoden, mit denen die Gelehrten im 16. Jahrhundert das Wissen über die sie umgebende Natur zu sammeln und zu systematisieren versuchten.

    Die Präsentation an den Kubus-Wänden wird ergänzt durch eine Medienstation, welche die Besucherinnen und Besucher digital durch den Codex Kentmanus führt, zwei Vitrinen mit gedruckten naturkundlichen Werken aus dem 16. Jahrhundert sowie einen Vermittlungsbereich, der die Technik des Naturselbstdrucks aus heutiger Perspektive vorstellt, in der Anwendung als künstlerisches Gestaltungsmittel. Zwei Künstlerbücher des in Weimar lebenden Grafikers Peter Heckwolf belegen die Möglichkeiten und Wirkung der Technik sehr eindrucksvoll. Zum Abschluss des Rundgangs haben Sie die Gelegenheit, selbst einen kleinen Pflanzenabdruck anzufertigen und als Postkarte mit nach Hause zu nehmen. Wir hoffen, Sie bald im Studienzentrum zu einem Besuch der Präsentation begrüßen zu können!

    Erkunden Sie unsere digitale Ausstellung im Internet: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/codex-kentmanus/

    Termine:
    Land. Fluss. Kentmanus. Natur erforschen im 16. Jahrhundert – 17. April bis 1. November 2021 | Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Studienzentrum

    23. Juni 2021 | 18 Uhr | Studienzentrum, Bücherkubus

    »Codex Kentmanus. Ein sächsisches Meisterwerk an der Schnittstelle zwischen visueller Kultur und Naturkunde«, Vortrag von PD Dr. Dominic Olariu (Marburg/Erfurt)

    Der Codex Kentmanus in den Digitalen Sammlungen der HAAB: https://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/image/942369343/2/LOG_0000/

    Katja Lorenz - Referatsleiterin Sondersammlungen der HAAB