Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 26. Januar, 2018 — Große Spaziergänge in die Bücherwelt – Eine Italienerin in der HAAB

    Francesca Müller-Fabbri im Studienzentrum der HAAB Weimar

    Francesca Müller-Fabbri hat Kunstgeschichte in Genua und in Marseille studiert. Die Liebe führte die Italienierin 1999 zunächst nach Frankfurt/Main. Dort arbeitete sie als Lektorin für italienische Sprache an der Universität, gleichzeitig am Kunsthistorischen Institut. Annette Seemann (AS) sprach mit Francesca Müller-Fabbri (FMF), seit 2006 Benutzerin der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek.

    AS: In Frankfurt benutzten Sie häufig die Universitätsbibliothek. War dieser Arbeitsort, an dem man viel Zeit verbringt, doch auch Lebensort?

    FMF: Sie war sehr hässlich, aber doch auch praktisch. Viel Zeit zu verbringen, vermied ich. Die Seminarbibliothek war da viel besser. Und: Die Frankfurter Museen waren meine Freude. Frankfurt ist international.

    AS: Dann kam Ihr Umzug nach Weimar, 2006, Sie hatten schon Kinder. Wie war das für Sie? Aus der Großstadt in die Provinz, gleichwohl Kulturstadt?

    FMF: Das war ein Schock. Weimar war sehr klein und vor allem so stark auf Goethe fixiert. Mein Spektrum war weitaus weiter gefasst. Aber sofort habe ich die Bibliothek aufgesucht, das kurz zuvor eröffnete Studienzentrum. Sofort ging es mir besser. Alle waren freundlich, die Nutzer international. Man gelangte unmittelbar in einen Kreis von netten Leuten, mit denen man sich austauschen konnte. Bis heute.

    AS: Wie benutzerfreundlich erleben Sie die HAAB im Vergleich mit anderen Bibliotheken?

    FMF: Das ist so toll, dass wir neben den zweifellos schützenswerten historischen Büchern diesen riesigen Freihandbereich haben, wo wir uns, je nach Thema, links und rechts noch ganz andere als die ursprünglich gewünschten Bücher ausleihen wollen. Wir machen große Spaziergänge in die Bücherwelt ober- und unterirdisch und ich suche mir je nach Stimmung immer einen anderen Arbeitsplatz, im Parkbereich, im Erdgeschoss, im Lesesaal oder oben, bei den Büchern …

    AS: Sie sind ja nicht nur bei Klassik und Romantik zu Hause und am Forschen, sondern auch im Mittelalter. Wie können Sie Ihre Forschungswünsche, Bücherwünsche hier erfüllen?

    FMF: Tatsächlich ist zu Klassik und Romantik –Adele Schopenhauer ist mein Spezialthema – hier alles vorhanden, bravo! Wenn ich im Mittelalter arbeite, nutze ich die Fernleihe und spätestens nach zwei Wochen habe ich alles.

    AS: Würden Sie sagen, dass die BibliotheksarbeiterInnen den Nutzerwünschen sehr entgegenkommen?

    FMF: Solche MitarbeiterInnen gibt es sonst nirgends, so meine weiten Erfahrungen aus vielen Jahren. Und ich darf sagen: Über die Bibliothek hat sich mein Verhältnis zu Weimar dann ganz rasch zum Positiven geändert. Und ich kenne Bibliotheken in europäischen Großstädten, wo es ganz anders zugeht, geradezu so wie im Inferno. Ich sage jetzt gerade nicht, wo das so ist …

    AS: Gibt es etwas, was sie besonders in Erinnerung haben, eine kleine Anekdote etc., was Sie mit der Bibliothek verbindet?

    FMF: Zwei Dinge: Die MitarbeiterInnen haben mich nach der Entbindung mit meinem dritten Kind in der Klinik angerufen. Das ist das eine. Und dann, als eine Mähmaschine die Mohnblumen auf dem Grundstück ums Bauhausmuseum abschneiden sollte, habe ich diese mir erbeten und, da ich gerade auf dem Weg zur Bibliothek war, dort als Geschenk hinterlassen. Sie wurden in zahlreiche Vasen gestellt. Alle haben sich gefreut und mir im Lesesaal flüsternd Dank ausgesprochen.

    Annette Seemann