Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 06. September, 2016 — Bedeutende Gäste der HAAB – George Eliot in Weimar

    George Eliot (National Portrait Gallery)

    Unter den Gästen Weimars im 19. Jahrhundert finden sich große Namen der Literatur, genannt werden sollen unter den Ausländern nur Ivan Turgenev, Henrik Ibsen und Thomas Carlyle. Ihre Namen finden sich im Gästebuch der Bibliothek. Aus England kam 1854 George Eliot (1819–1880), die für einige Monate hier lebte. Weimar nennt sie das Athen des Nordens. Doch fragt sie sich: »How could Goethe live here, in this dull, lifeless village?« Schnell entdeckt sie die Vorzüge. Die Parkanlagen und Schlösser um Weimar bieten ihr glückliche Stunden. Jenas Landschaft fasziniert sie, der Thüringer Wald. Den Tiefurter Park nennt sie ein kleines Paradies. Interessant sind ihre Vergleiche mit englischen Gewohnheiten, etwa bei den Speisen, in den Umgangsformen. Ihren ersten Kontakt hat sie zu Adolf Schöll, dem damaligen Leiter der Kunstanstalten in Weimar. 1861 übernimmt Adolf Schöll die Leitung der Großherzoglichen Bibliothek, der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Er gibt der Autorin die Möglichkeit, sich etwa die Dichterzimmer im Schloss anzusehen oder das Schloss in Tiefurt zu besichtigen. George Eliot charakterisiert ihren Begleiter Schöll als einen exzellenten Kenner der Geschichte Weimars, des literarischen und kulturellen Lebens, einen geistvollen Mann auch im privaten Umgang. Schöll zeigt ihr auch die Räume der Bibliothek und schenkt ihr zum Abschied einen Band mit Gedichten von Uhland. Briefe und Tagebucheinträge der Autorin spiegeln ihre Eindrücke von diesem Aufenthalt. Darunter auch von ihren Begegnungen mit Johann Peter Eckermann, Hoffmann von Fallersleben und Franz Liszt. Von George Eliot besitzt die Bibliothek eine Vielzahl ihrer Werke. Auch den Roman Middlemarch, den 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler 2015 sogar zu dem bedeutendsten britischen Roman wählten. In der Kaufstraße 2, wo sie gemeinsam mit dem Goethe-Biographen George Henry Lewis wohnte, ist zu beider Ehren auf Initiative der George Eliot Fellowship eine Gedenktafel angebracht. Mit seinen Schriften machte das Paar die deutsche Kultur, Weimar und Goethe in Großbritannien bekannt.

    Abbildung
    Sir Frederic William Burton, George Eliot (Mary Ann Cross)
    Kreide, 1865
    NPG 669
    © National Portrait Gallery, London, CC BY-NC-ND 3.0

    Roland Bärwinkel