Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 21. April, 2016 — Die Büchersammlung Adolf von den Veldens und ihre Geschichte

    Projektapparat: van den Velden

    Jedes als NS-Raubgut identifizierte Buch, jede Sammlung erzählt eine Geschichte. Im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek steht zu Zeit die »Mobile Vitrine« der Klassik Stiftung. Sie ist dazu gedacht, Interessierte über die Provenienzforschung der Klassik Stiftung zu informieren. Dokumente und Fotos veranschaulichen die Geschichte der Büchersammlung von Arthur Goldschmidt aus Leipzig. Ein weiterer Fall ist die Sammlung von Adolf von den Velden aus Weimar. Bibliothekare der HAAB sind bei ihrer Suche nach NS-Raubkunst auf diese Sammlungen gestoßen.

    Die Familie von den Velden stammt aus Frankfurt und hat seit 1892 in Weimar gelebt. Adolf von den Velden war damals ein bekannter Maler und Genealoge. Er malte Wandteppiche mit Stammbäumen und Ahnentafeln, die damals sehr beliebt waren. Adolf von den Velden hatte der Weimarer Bibliothek seit 1902 mehrere Ahnentafeln und Bücher zum Beispiel zu Wappen- und Siegelkunde geschenkt. Er starb 1932.

    Seine Frau Else von den Velden ist im März 1942 im Alter von 78 Jahren in Weimar gestorben. Ihre Tochter Esther, damals Mitte 50, hat sich nur wenige Wochen später das Leben genommen.

    Dazu existiert die Notiz eines Arztes, der den Tod festgestellt hat. Es gibt auch Berichte darüber, dass der Selbstmord zunächst misslang, der Arzt sie dann aber hat sterben lassen. Über das Leben der beiden Frauen fanden sich keine Dokumente. Die Übernahme der Bibliothek der Familie von den Velden ist dagegen akribisch in den Zugangsbüchern der damaligen Thüringischen Landesbibliothek vermerkt. 453 der 475 Bände kamen in der Nazi-Zeit in Bestand. Die Klassik Stiftung stufte sie deshalb als Raubkunst ein. Die Erben wurden gesucht und gefunden. Die Sammlung wurde zurückgegeben.

    Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek bekam einen Band als Geschenk und konnte alle anderen Bücher der Sammlung ankaufen. Damit befindet sie sich heute rechtmäßig im Besitz der Klassik Stiftung. Für die Familie war es wichtig, dass die Sammlung von Adolf von der Velden an einem Ort zusammenbleibt und weiterhin für die Forschung zur Verfügung steht.

    An das Schicksal von Else von den Velden und ihrer Tochter Esther erinnern so genannte »Stolpersteine«. Sie sind im Vorjahr vor ihrem ehemaligen Weimarer Wohnhaus in der Freiherr-vom-Stein-Allee 10 verlegt worden. Die Klassik Stiftung hat die Patenschaft für diese beiden »Stolpersteine« übernommen.

    Maria Socolowsky

  • 21. April, 2016 — Die Suche nach NS-Raubgut in der HAAB

    Datei mit Bildern von Signaturen u. Provenienzspuren

    3 Bilder ›

    Die Klassik Stiftung Weimar durchsucht bereits seit mehreren Jahren ihre Bestände nach Objekte, die während der Nazizeit Verfolgten unrechtmäßig weggenommen wurden und dann unter anderem auch in öffentliche Einrichtungen kamen.

    Die damalige Thüringische Landesbibliothek hatte in der Nazi-Zeit einen Zugang von rund 35.000 Büchern. Rund 10.000 Bücher gelten als verdächtig, NS-Raubgut zu sein, sagt die Bibliothekarin Annett Carius-Kiehne. Über 6.000 sind bereits überprüft.

    Für Annett Carius-Kiehne ist das nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit in der HAAB. Den Hauptpart bewältigt eine Bibliothekarin, deren Stelle unsere Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e. V. finanziert.

    Ohne diese Hilfe könnte die Herzogin Anna Amalia Bibliothek diese Arbeit gar nicht leisten, sagt Annett Carius-Kiehne.
    Zunächst muss ein Buch identifiziert werden. Anhand der alten Signaturen wird in Katalogen, Zettelkästen von einst und an den verschiedenen Standorten gesucht – im Magazin oder auch im Rokokosaal. Manchmal wurden Signaturen verändert, das Buch ist nicht auffindbar oder verbrannt. Manche Bücher können sich aber auch unter den Aschebüchern befinden, die nach dem Brand 2004 noch längst nicht alle durchgesehen werden konnten.

    Ist ein Buch entdeckt, suchen die Bibliothekarinnen Christine Störr und Annett Carius-Kiehne nach Provenienzspuren – z. B. nach Widmungen oder Ex Libris.

    Oftmals finden sich keinerlei Hinweise. Dann folgt der Vermerk: »Wir können verfolgungsbedingten Entzug nicht ausschließen.«

    Finden die Bibliothekarinnen Hinweise auf frühere Besitzer, dann übernehmt das Projektteam der Klassik Stiftung Weimar den Fall.
    Drei Historiker und zeitweise auch eine Juristin suchen nach möglichen Erben des Buches oder der Sammlung. Wie sie vorgehen und mit wem sie auch international zusammenarbeiten, das ist schon wieder eine andere Geschichte.

    Maria Socolowsky