Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 08. Mai, 2018 — 15 Jahre GAAB – Annette Seemann erinnert sich

    Annette Seemann vor dem Studienzentrum

    Annette Seemann ist die Vorsitzende der Gesellschaft der Anna Amalia Bibliothek seit Gründung des Vereins. Anlässlich des 15. Geburtstags der GAAB am 12. Mai 2018 sprach Maria Socolowsky mit ihr.

    MS Welche Gründe gab es für Sie, sich in der Gesellschaft der Anna Amalia Bibliothek (GAAB) zu engagieren und sogar den Vorsitz zu übernehmen?

    AS Bibliotheksdirektor Michael Knoche hat damals verschiedene Personen angesprochen, die eng mit der Bibliothek verbunden waren – Eberhard Neumeyer, Jörg Teschner, Joachim Rieck und auch mich. Es sollte ein Freundeskreis der HAAB gegründet werden, der die Arbeit der Bibliothek unterstützt. Ich habe schon damals fast täglich in der HAAB gearbeitet.
    Dass ich dann sogar den Vorsitz übernommen habe, war ein ziemlicher Zufall, zumal ich bis dahin außer in einem Segelclub noch nie Mitglied in irgendeinem Verein war.
    Diesen Verein zu unterstützen entsprach aber meiner vollkommenen Überzeugung, dass man für diese Bibliothek etwas tun muss. Es ging schon damals um Hilfe für Buchrestaurierungen und die Finanzierung von Ausstellungen. Für letztere gab es in der HAAB gar keinen Etat, für viele andere Dinge ebenfalls nicht.

    MS Wie hat die GAAB der Herzogin Anna Amalia Bibliothek unmittelbar nach dem Brand 2004 geholfen? Welche Aktionen hat sie gestartet?

    AS Wir haben innerhalb kürzester Zeit ein Spendenmanagement auf die Beine gestellt und zahlreiche Benefizaktionen durchgeführt bzw. unterstützt.
    Unser Finanzvorstand Joachim Rieck hat für die vielen Spenden, die auf dem Vereinskonto eingingen, Spendenquittungen geschrieben, Jörg Teschner hat Dankesschreiben aufgesetzt. Ich erinnere mich, dass ich als Vorsitzende in manchen Nächten 150 bis 280 Dankesbriefe unterschrieben habe. Ich habe viele Interviews gegeben. Ich war viel unterwegs. Ich bin zu Benefizaktionen gefahren, habe Spenden entgegengenommen und für die große Hilfe gedankt. Es war ein Ausnahmezustand.

    MS Was war für Sie der größte Erfolg der GAAB in den vergangenen 15 Jahren?

    AS Der größte Erfolg war natürlich die Wiedereröffnung des Stammhauses der Bibliothek mit ihrem berühmten Rokokosaal am 24. Oktober 2007. Möglich geworden war auch dies mit Hilfe der GAAB.

    MS Welcher Moment, welches Ereignis in der Geschichte der GAAB hat Sie am stärksten berührt und warum?

    AS Das war der Tod von Claudia Kleinbub. Sie starb 2016 im Alter von 51 Jahren. Seit 2005 hatte sie unserer GAAB als »Verbindungsfrau« zur Bibliothek zur Seite gestanden. Die promovierte Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAAB betreute mit großer Hingabe unsere Zeitschrift »Supralibros«. Diese Zeitschrift war ihr Lieblingskind. Sie erstellte Kataloge und sie betreute Ausstellungen im Renaissance-Saal der Bibliothek, Ausstellungen, die die GAAB zu einem wesentlichen Teil finanziert hatte. Claudia Kleinbub hat alle Veranstaltungen der GAAB, alle Vorträge mit betreut, alle Tagesfahrten begleitet. Sie war die gute Seele der GAAB. Sie ist für mich unvergessen.

    MS Welche Herausforderungen muss die GAAB in der Zukunft meistern?

    AS Die GAAB muss und wird der Bibliothek bei deren neuen Aufgaben zur Seite stehen, die z. B. in der Digitalisierung der Bestände bestehen. Gleichzeitig wird sie daran mitwirken, die historischen Bestände zu erhalten und sie einer großen Öffentlichkeit als bewahrenswert zu präsentieren. Bibliotheken sind das Gedächtnis der Menschheit, in unserem Falle ist es ein Gedächtnis, das sich in großem Maße auf die wichtige klassische Epoche der Literatur und Kulturgeschichte bezieht, für die das UNESCO-Weltkulturerbe Weimars als Ganzes steht und wozu auch die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gehört.

    MS Herzlichen Dank für das Interview.

    Maria Socolowsky